Wenn Kälte die Gefäße verengt

Der Herbst bringt zwangsläufig kühlere Temperaturen mit sich. Was viele Menschen nicht wissen: Schon der Wechsel von warmen zu kalten Tagen beeinflusst unsere Blutgefäße. Sie ziehen sich bei Kälte zusammen, um den Wärmeverlust des Körpers zu begrenzen. Ein natürlicher Schutzmechanismus, der allerdings auch den Blutdruck steigen lässt. Besonders Menschen mit bestehenden Gefäßerkrankungen sollten deshalb aufmerksam sein.

Der Grund für diese körperlichen Effekte liegt in der sogenannten Vasokonstriktion. Die kleinen Arterien nahe der Hautoberfläche verengen sich, damit weniger Wärme über die Haut verloren geht. Dadurch erhöht sich der Widerstand, gegen den das Herz Blut durch den Körper pumpen muss. Studien zeigen, dass niedrige Außentemperaturen mit höheren Blutdruckwerten und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sein können.

Besonders ausgeprägt ist dieser Zusammenhang bei starken Kälteperioden. Die American Heart Association weist darauf hin, dass unter solchen Bedingungen auch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle steigen kann. Entscheidend sind dabei die individuellen Vorerkrankungen und weitere Risikofaktoren.

Für Menschen mit bereits verengten Arterien ist der Temperaturwechsel besonders relevant. Bestehen beispielsweise Durchblutungsstörungen der Beine, kann Kälte die Beschwerden verstärken. Auch bei Erkrankungen der Halsschlagadern oder der Bauchschlagader spielt die Kontrolle des Blutdrucks eine wichtige Rolle.

„Kälte allein verursacht noch keine Gefäßerkrankung. Sie kann aber das Herz-Kreislauf-System zusätzlich belasten“, erklärt die Gefäßchirurgin Dr. Michaela Kos. Gerade bei bestehenden Erkrankungen sei es deshalb sinnvoll, bekannte Risikofaktoren im Blick zu behalten.

Wer zu Bluthochdruck neigt, sollte seine Werte regelmäßig kontrollieren. Auch ausreichende Bewegung, warme Kleidung und der Verzicht auf Nikotin helfen, die Gefäßgesundheit zu unterstützen. Verordnete Medikamente sollten dabei unverändert weiter eingenommen werden, sofern ärztlich nichts anderes empfohlen wurde.

In unserer gefäßchirurgischen Praxis untersuchen wir unter anderem die Halsschlagadern, die Bauchschlagader und die Arterien der Beine. Mithilfe moderner Ultraschalltechnik lassen sich Gefäßverengungen und andere Veränderungen frühzeitig erkennen und beurteilen.

Wer bereits unter Durchblutungsstörungen leidet oder neue Beschwerden bemerkt, sollte diese ärztlich abklären lassen. Denn unabhängig von der Jahreszeit gilt: Je früher eine Gefäßerkrankung erkannt wird, desto besser lassen sich mögliche Folgen verhindern.